viele Fragestellungen im Bauwesen entstehen nicht bei außergewöhnlichen Projekten, sondern im ganz normalen Tagesgeschäft. Oft sind es scheinbar kleine Details, die darüber entscheiden, ob Abläufe sauber funktionieren oder ob später Korrekturen notwendig werden. Ein Thema, das hierbei oft unterschätzt wird, ist die realistische Kalkulation von Arbeitszeiten beim Bauen im Bestand.
Während Standard-Zeitansätze im Neubau oft gut funktionieren, sorgen sie im Bestand schnell für ungeplante Mehrwege, Mehraufwand und eine schwindende Marge. Wer hier weiter mit „Neubau-Zeiten auf freiem Feld“ kalkuliert, rechnet sich das Projekt oft unbewusst schön.
Die wesentlichen Erkenntnisse aus unserer aktuellen LinkedIn-Serie zeigen, worauf es in der Praxis ankommt:
🔍 Die Realität der „unsichtbaren“ Stunden
Im Bestand frisst nicht nur das Material, sondern vor allem die Zeit das Budget auf. Oft sind es die Rahmenbedingungen vor Ort, die in der Kalkulation fehlen:
- Logistik-Hürden: Situationen, wie das Arbeiten im 2. OG ohne Aufzug oder Baustellen in zweiter Reihe ohne Stellfläche, führen zu massiven Zeitverlusten durch zusätzliche Lauf- und Tragewege.
- Erschwerte Abläufe: Die Nutzung im laufenden Betrieb – etwa bewohnte Wohnungen – bremst Prozesse durch notwendige Schutzmaßnahmen und Rücksichtnahme aus.
- Gefahrstoffe: Sobald Asbest oder ähnliche Stoffe ins Spiel kommen, ändert sich nicht nur die Entsorgung. Der Zeitbedarf für Schutzanzüge, Atemschutz und Reinigungszyklen gehört als fester Bestandteil in die Kalkulation und nicht in einen pauschalen Puffer.